Erfahrungsbericht: Lisas Bericht (Lisa)

Ich bin alleinerziehend und habe zwei Kinder: eine ganz normale, liebe Tochter und einen „verrückten“, lieben Sohn, der etwas jünger ist. Auf meinen Sohn war ich stolz, daß die Wände wackelten. Er brachte sich als 4jähriger allein das Lesen bei. Er brachte sich als 5jähriger allein das Schwimmen bei. Was machte es da schon, daß er sein Zimmer regelmäßig als Schlachtfeld hinterließ? Was machte es schon, daß er Schnürsenkel binden nicht lernen wollte? Er war doch mit Wichtigeren beschäftigt! Er war so toll! Und ich konnte damit gut leben! Ein aufgeweckter, aktiver Junge, der mit Eigenwilligkeiten schon im Kindergarten auffiel. Ich fands gut, schließlich wollte ich keine angepassten, von der grauen Masse verschluckten Kinder. Aber dann kam Joe in die Schule! Dort fand man es gar nicht gut,daß er schon lesen konnte, ich fühlte mich Angriffen von wegen „ehrgeizige Mutter“ und so ausgesetzt. Daß er Autodidakt war, glaubte man mir nicht. Außerdem fiel er unangenehm auf, weil er seine Pausen machte, wann er sie für richtig hielt. So kam es mehr als einmal vor, daß Joe während der Unterrichtsstunde sein Auto raus holte, sich auf den Fußboden legte und spielen wollte. Wegen seine Bewegungsfreude brachte ich ihn in eine sportbetonte Grundschule. Ich dachte, daß ist gut für ihn. Ja, schon, aber für die Lehrer? Joe beeilte sich nicht gerade mit dem Umziehen, oft begann die nächste Stunde ohne ihn und er war ganz allein im Umkleideraum. Ja, da konnte man das Spielen doch noch ein bißchen ausdehnen, oder? Wieso regt sich die Lehrerin auf, daß er nicht kommt: Sie hat ihn doch im Umkleideraum allein zurückgelassen? Kurz gesagt, die Lehrerin hielt meinen Sohn für ein bißchen doof und wollte ihn wieder ausschulen! In der dritten Klasse habe ich ihn dann umgeschult in eine Grundschule ohne Sportzweig. Dort gabs die Schwierigkeiten mit dem Umziehen nicht mehr, aber andere. Er fing an, die Lehrerin über die neuen Rechtschreibregeln aufzuklären. Nun hatte er Glück, daß diese nicht beleidigt reagierte sondern mich aufmerksam machte, daß ich ein sehr intelligentes Kind hätte und ob ich den IQ schonmal hätt feststellen lassen. Nö! Aber der Schulpsychologe ging ans Werk: Joe hat einen IQ von 120. Und gibt es in unserem tollen, ewig um fehlende Finanzmittel klagenden, Staat, eine sinnvolle Förderung für begabte Kinder im GRUNDSCHULALTER? Joe war ständig unterfordert! Ab ca.6.Klasse hatte er die Schule gründlich satt! Zu dem Zeitpunkt war ADS vom Kinderpsychiater diagnostiziert und er schluckte regelmäßig Ritalin. Zu Hause gab es zeitweilig unerträgliche Spannungen: Die ältere Tochter fühlte sich stets vernachlässigt, warf mir vor den Jungen vorzuziehen, mich für dessen Belange mehr zu interessieren als für ihre Probleme! Und mein Freund konnte und wollte ADS nicht akzeptieren: O-Ton:“ der könnte schon, wenn er nur wollte!“ Meine Tochter ist mit 18, obwohl Schülerin ohne eigenes Einkommen, ausgezogen und mein Freund kümmert sich nicht um unsere Belange, zieht sich zu Computerspielen zurück und spricht dem Alkohol zu. Wieder O-Ton:“Unser Leben beginnt erst, wenn der aus dem Haus ist.“ Ich ? Ich renne vom Arzt zum Therapeuten, von da zu den Lehrern (inzwischen ist Joe 8.Klasse,Lernverweigerer und versetzungsgefährdet.) und dann wieder zu seinem Vater, der uns hilft wenn er kann. Ist jedoch leider an Krebs erkrankt und hat nur begrenzte Leistungsreserven. Ich bin voll berufstätig und fühle mich so unruhig und aufgewühlt, könnte immer nur heulen, fühle mich so allein gelassen. Joe war schon zu einer 4wöchigen Kur, aber es hat uns nicht viel gebracht: Er hat dort gelernt mit welchen Mitteln Drogensüchtige zu ihrer Krankheit gekommen sind,und daß es viel schlimmeres als ADS gibt! Und ich habe immer nur an ihn gedacht, ob es ihm wohl gut geht und als ich mich daran gewöhnte, daß er nicht da ist und ich mich hätte entspannen können, waren die 4 Wochen vorbei! Nun soll er ins Krankenhaus und ich weiß nicht, wie hier alles weiter geht. Ich wünsche mir, daß er einen guten Realschulabschluß macht! Und ich fühle mich für die Umstände drum herrum verantwortlich.

Lisa

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