
von Dr. Johanna Krause
Trotz ist eine ganz natürlich auftretende Erscheinung im
Laufe eines Kinderlebens. Damit eine gesunde psychische Entwicklung eines Kindes
möglich ist, braucht es ein Gefühl für seine Willenskraft und seine Grenzen.
Beides wird es zunächst im Umgang mit den nächsten Bezugsgruppen, zu denen es
Vertrauen hat, erproben.
In dieser Situation haben viele Mütter Angst, die Kontrolle über das Kind zu
verlieren, weil es sich gerade nicht so verhält, wie es bisher war; der
Erziehungserfolg scheint infrage zu stehen. Es ist deshalb wichtig, dass die mit
der Erziehung betrauten Menschen selbst genau die Grenzen kennen, die für die
Entwicklung einer gesunden Psyche wichtig sind. Selbstvertrauen in die eigenen
erzieherischen Fähigkeiten ermöglicht Gelassenheit, wenn das Kind zeitweise
versucht, die bisherigen gewohnten Gleise des Verhaltens zu verlassen.
Der
Trotz kann auch in Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten, die sich
hyperkinetisches Syndrom nennt. Dieses Krankheitsbild hat viele Gesichter,
wichtig ist, dass es bei der Diagnosestellung länger als ein halbes Jahr und
vor der Einschulung bestanden haben muss. Bei vielen Kindern kann das trotzige
Verhalten, das schon auftritt, sobald die Kinder überhaupt in der Lage sind.
Willensäußerungen zu zeigen, zu Erziehungsschwierigkeiten und Fehlhaltungen in
der Beziehung führen, „weil man mit dem Kind nicht fertig wird". Damit
ist das frühe und langanhaltende Auftreten von sehr zornigem Verhalten
angesprochen; es gehören jedoch eine Reihe anderer Symptome dazu, um an das
hyperkinetische Syndrom zu denken, das der breiten Öffentlichkeit aus dem
Struwwelpeter-Buch mit der Geschichte vom Zappelphilipp bekannt ist.
Wichtige
weitere Krankheitszeichen können sein:
vermehrter
Bewegungsdrang,
Konzentrationsstörungen,
geringes
Schlafbedürfnis,
im
Säuglingsalter häufiges nächtliches Schreien,
erhöhte
Aggressivität,
mangelnde
Ausdauer beim Spielen,
Handeln
ohne nachzudenken,
Ungeschicklichkeit
und Unempfindlichkeit des Körpers,
keine
Geduld im Umgang mit Spielkameraden
und
mangelnder Ordnungssinn.
Wenn
bei einem Kind neben trotzigem Verhalten mehrere der aufgeführten Symptome
vorhanden sind, sollte es dem Kinderarzt vorgestellt werden, damit er den Eltern
die Frage beantwortet, ob diese Erkrankung vorliegt. Wenn sich bei der
Untersuchung der Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Störung ergibt, ist
zusätzlich ein Kinder- und Jugendpsychiater hinzuzuziehen.