Der Problemschüler – Ein Gedicht, sehr frei nach Heinrich Hoffmann von Klaus-Henning Krause

Wenn der Bub zur Schule ging,
stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
schaut er aufwärts allenthalben:
vor die eig´nen Füße dicht,
ja, da sah der Bursche nicht.
Auch im Klassenraum, welch Grauen
alles andere mag er schauen
als das, was an der Tafel steht;
man hält ihn deshalb für recht blöd.
Die Aufmerksamkeit ist denkbar schlecht,
motorisch macht er’s auch nicht recht:
„Ob Ihr Kind in Zukunft still
im Klassenraum wohl sitzen will?“
Also fragt sehr ernsten Tones
der Lehrer die Eltern dieses Sohnes.
Doch die Mutter blickt nur stumm,
verzweifelt auf dem Pult herum.
Der Vater ist gar zornig sehr
und schimpft zu Hause immer mehr.
Doch der Lümmel hörte nicht,
was zu ihm der Vater spricht.
Er gaukelt und schaukelt
er trappelt und zappelt
in der Klasse hin und her.
„Junge, das mißfällt mir sehr!“
Seht, Ihr lieben Lehrer, seht,
wie’s dem Schüler weitergeht.
Irgendwann treibt er’s zu bunt
und zerstört Euch Eure Stund´.
Und höret nur, wie bös er war,
er spuckte nach den Ander´n gar.
Als die Mutter kommt nach Haus,
sieht ihr Sohn ganz traurig aus.
Man hat ihn einfach heimgeschickt,
nun sind alle ganz geknickt.
Mutter und Vater, die schreien
gar jämmerlich zu zweien,
„Herbei, herbei, wer hilft geschwind?
Die Chancen schwinden für unser Kind!“
Zum Arzt muß Filius nun herein,
der kennt die Gründe aller Pein,
er gibt ihm wirksame Arznei,
und Zappeln und Träumen sind vorbei.

von Klaus-Henning Krause

Kommentare

  1. Franz Josef Neffe meint:

    Ach, was muss man oft von bösen
    Buben hören oder lesen,
    die es in der Wirklichkeit
    gar nicht gab, zu keiner Zeit!

    Was mag nur Erwachsene treiben,
    diesen Unfug aufzuschreiben?
    Was nur treibt ihr krankes Hirn,
    solcherlei zu konstruiern?

    Woher kommt der Drang zum Formen
    des erdachten ganz Abnormen
    und im Ganzen und in Teilen
    dieses allen mitzuteilen?

    Warum müssen so Eunuchen
    ständig Kinderfehler suchen
    und uns dann zum Zeitvertreiben
    noch unter die Nase reiben?

    Würde es sich nicht gehören,
    vor der eignen Tür zu kehren,
    eh man unbedacht riskiert,
    dass man selber sich blamiert?

    Dass bei dem, was wir so treiben,
    Kinder stets geduldig bleiben
    und die reinsten Lämmer sind,
    wer das glaubt, ist einfach blind.

    Das Konstrukt ADHS
    beschreibt uns den Erwachsnenstress
    und sagt nicht von ungefähr:
    Alle Dummen haben´s schwer.

    Dies berichtet und bezeugt
    gar kein bisschen gramgebeugt
    sondern gern zu dem Betreffe
    für euch der
    Franz Josef Neffe

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