Tipps für Lehrer

So helfen Sie Schülern, mit ADD zurecht zu kommen

· Versehen Sie diese Schüler mit Aufgaben, bei denen sie sich bewegen dürfen, z.B. Blätter einsammeln oder austeilen, Botengänge zum Sekretariat machen oder Tafelwischen.

· Gestatten Sie dem Schüler, gekürzte Aufgabenstellungen zu bewältigen, wenn er die Thematik zu verstehen scheint, jedoch zu unruhig für den kompletten Umfang der Aufgabe ist.

· Wenn sie Spannungen erkennen, weisen Sie den Schüler eventuell kurz darauf hin, dass er vielleicht ein Papier in den Papierkorb bringen möge, so dass er etwas Bewegung bekommt, bevor er stört.

· Erlauben Sie dem Schüler mit einem kleinen Gegenstand zu spielen oder gar herum zu kritzeln, während er zuhört, da es ihm hilft, ausdauernd aufzupassen.

Probleme mit Schülern im Klassenzimmer – Verhalten im Klassenzimmer

· Legen Sie klare, unmissverständliche Regeln und Richtlinien fest und nennen Sie zugleich die Konsequenzen bei Fehlverhalten; gehen Sie jedoch nicht auf Konfrontationskurs!
Schüler mit ADD, die sich verletzt fühlen, können teilweise sehr gut austeilen, wenn sie ihr Gesicht wahren wollen.

· Setzen sie Quasselstrippen von ihrem Banknachbarn weg, am besten in die erste Reihe.

· Versuchen Sie, positiv eingestellt auf den ADD Schüler einzugehen, oft ist sein Fehlverhalten auf ein geringes Selbstbewusstsein zurückzuführen.

· Besprechen Sie sich rechtzeitig mit Eltern und Beratungslehrern (Vertrauenslehrer, Schulpsychologen, usw.). Warten Sie nicht bis das Problem unlösbar groß ist. Starten Sie einen gemeinsamen Lösungsversuch, an dem auch das Elternhaus beteiligt ist.

· Versuchen Sie, problematische Situationen im Voraus zu erkennen und zu vermeiden. Schüler mit ADD neigen dazu, sich entgegen der Regeln zu verhalten, wenn sie unbeaufsichtigt sind.

Diese Hilfen bei Tests eignen sich für hyperaktive Kinder

· Tests werden oft erfolgreicher bewältigt, wenn sie in einem ruhigen nicht ablenkenden Raum, möglichst außerhalb des regulären Klassenzimmers stattfinden.

· Da ADD Schüler oft langsamer arbeiten, Probleme mit der Handschrift haben und schlecht organisiert sind, sollten sie eventuell einen Computer für Aufsätze und Prüfungen benutzen dürfen.

· Geben Sie dem Schüler mehr Zeit für Tests und Aufgaben. Dies erreicht
1. dass der Schüler sich nicht so unter Druck sieht und
2. dass er besser arbeiten kann.

· Achten Sie darauf, dass der Schüler die Antwort, wenn möglich unter die Aufgabenstellung auf das Blatt schreibt, damit sich nicht unnötige Fehler durch das Übertragen auf eine andere Seite ergeben.

· Wenn es zulässig ist, versuchen Sie, dem Schüler Gelegenheit zu geben, sein Wissen auf andere Weise unter Beweis zu stellen, zum Beispiel in einem Gespräch mit dem Lehrer, durch Referate und Projekte.

· Versuchen Sie so zu planen (auch in Absprache mit Kollegen), dass die Schüler mit ADD am Tag nur eine größere Aufgabe zu erledigen haben.

Möglichkeiten, den Unterricht effektiver zu gestalten

· Material, welches Sie eventuell multimedial aufbereiten, damit es von mehreren Sinnen aufgenommen werden kann, bleibt oft viel besser im Gedächtnis hängen. Auch eine schriftliche Hilfe, wie das Lernmaterial zu bearbeiten ist, kann sehr nützlich sein.

· Erlauben Sie gegebenenfalls die Benutzung von Schreibhilfen, damit Schüler, die schnell tippen können, wichtige Dinge festhalten können. Es ist oft mühsam für sie, mit der Hand zu schreiben und später ihre eigene Handschrift zu identifizieren.

· Zeigen Sie dem ADD Schüler Beispiele für das, was Sie erwarten. So ist der Schüler in der Lage, sich besser auf die Aufgabe einzustellen, da er zwar bestimmte Vorstellungen hat, jedoch oft nicht in der Lage ist, die Aufgabe umzusetzen. Dies gilt besonders für Kinder mit Teilleistungsstörungen, bei denen Kontrollen des Aufgabenverständnisses nötig sind.

· Wenn möglich, gehen Sie nach dem Unterricht kurz die behandelten Dinge mit dem Schüler durch, so dass ein kontinuierlicher Informationsfluss zwischen Lehrer und Schüler besteht.

· Schauen Sie sich so früh wie möglich bereits erledigte Hausaufgabenschritte an, um den Schüler davor zu bewahren, in die falsche Richtung zu arbeiten, was ihn am Schluss demotivieren und enttäuschen könnte.

· Bieten Sie verschiedene Möglichkeiten an, den Stoff durch zu nehmen, beispielsweise Vorführung an Modellen, Rollenspiele oder Simulationen.

· Versuchen Sie bei der Benotung von Arbeiten eindeutig zwischen inhaltlichen und grammatikalischen oder sprachlichen Bereichen zu unterscheiden.

· Bieten Sie dem Schüler eine Auswahl verschiedener Arbeitsaufträge an, so dass er sich die Aufgabe herauspicken kann, die am besten zu seinen Lernmethoden und seiner Begabung und passt.

· Versuchen Sie möglichst, dem Schüler die Bedeutung des Wissens für sein persönliches Leben (Beruf, Freizeit) klarzumachen oder schaffen Sie eine Verbindung zu aktuellen Dimensionen und Ereignissen, damit das Gesagte geistig besser haften bleibt; dies wird den Schüler zusätzlich motivieren.

· Gehen Sie sicher, dass sie dem Schüler Gelegenheit bieten, nachzufragen und Aufgaben zu klären.

· Erlauben Sie, wenn nötig, fremde Hilfestellung bei der Aufgabenbewältigung.

So verbessern Sie die Fähigkeiten des ADD Schülers, zuzuhören und Anweisungen zu befolgen

· Der Sitzplatz des Jugendlichen mit ADD ist genauso entscheidend wie der des Kindes mit ADD. Er sollte immer ganz vorn sitzen, weit weg von ablenkenden Dingen wie Fenstern, Geräten und auch Mitschülern, die ihn provozieren.

· Wenn möglich, sollten längere mündliche Anweisungen immer durch eine kurze schriftliche Notiz festgehalten werden. Hat der Schüler die Anweisung nicht nur gehört, sondern auch gelesen, wird er besser in der Lage sein, sie zu verstehen. Außerdem kann er jederzeit auf sein Papier zurückgreifen, falls er die Aufgabe vergessen hat.

· Erlauben Sie dem Schüler und ermutigend sie ihn, Unterrichtsstunden auf Tonträger mitzuschneiden; besonders vor größeren Prüfungen ist dies für ihn wichtig und sinnvoll. Falls es dem Schüler unangenehm oder peinlich sein sollte, können auch Sie den Mitschnitt machen.

· Vielfach unterteilte Anweisungen werden von ADD Schülern oft nicht richtig verstanden. Solche Anweisungen sollten von Bemerkungen wie „Hören alle zu? Dies ist besonders wichtig…!“ kenntlich gemacht werden. Danach sollten die Anweisungen langsam und deutlich erfolgen. Auch hier ist es wieder sinnvoll, Blätter mit einer Zusammenfassung auszuhändigen, eventuell können Sie auch speziell beim Schüler nachschauen.

· Gehen Sie sicher, dass die Erklärungen nicht eilig, sondern klar ausgedrückt werden.

· Versuchen Sie eventuell, das Gesagte in anderer Weise zu wiederholen, wenn der Schüler es nicht verstanden zu haben scheint.

· Halten Sie Anweisungen knapp und einfach und „verstecken“ Sie keine Aufgabenstellungen in einer stundenlangen Predigt.

· Wenn es geht, zeigen Sie an einem Beispiel, wie die Schüler arbeiten sollen.

· Legen Sie wichtige Dinge auf den Anfang der Stunde, die Aufmerksamkeitsdauer des ADD Schülers ist dann noch am größten.

· Erklären Sie genau, was zur Fertigstellung bestimmter Arbeitsaufträge notwendig ist. Erwähnen Sie, wo für sie im speziellen Noten vergeben werden.

Was ist Lehrern zu raten?

von Dr. med. Johanna Krause, Nervenärztin und Psychotherapeutin
Kapitel 11 ihres Buches „Leben mit hyperaktiven Kindern“

Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden sollen.
Rabelais

Jeder, der mit Kindern in verantwortlicher Position Umgang hat, sollte sich darüber klar werden, dass mindestens 4 Prozent aller Kinder am hyperkinetischen Syndrom leiden. Trotz aller Anzeichen, die auf diese Erkrankung hinweisen, ist es möglich, dass alle Beteiligten – Eltern, Kinderärzte und Lehrer – nicht daran denken, dass ein Kind, das zappelt und nicht aufpasst, sich nicht absichtlich so verhält, sondern unter dieser Störung leidet. Schon die Erkenntnis, dass ein Schüler nicht gezielt den Lehrer mit seinen permanenten Störaktionen meint, entspannt zumindest das Verhältnis zwischen den beiden und kann dann dazu führen, dass beide ein Zeichen ausmachen, wann der Schüler sich wieder auf das Unterrichtsgeschehen einlassen muss. Wichtig für das hyperkinetische Kind ist, dass sein Verhalten, von dem es meist weiß, in welcher Weise es »nicht normal« ist, nicht dazu führt, dass es vor der ganzen Klasse blamiert wird; denn gerade Demütigungen werden Anlass zur »Höchstleistung«.

Da auch Lehrer Menschen mit einem normalen Gefühlsleben sind, brauchen sie ebenso Erfolgserlebnisse im Beruf wie andere. An dieser Stelle konkurrieren nun hyperkinetische Kinder und Lehrer, oft sind die Erwachsenen unterlegen, weil sie nicht eine solche ausufernde Phantasie haben, um eine ganze Schulklasse permanent im Bann zu halten. Damit beginnt das große Unglück im Leben des Kindes, das den Sanktionen, die sein Verhalten zur Folge hat, ebenso hilflos ausgeliefert ist wie die Lehrer den Clownerien. Deshalb gilt als oberstes Gebot, keine Machtkämpfe auszufechten; denn die trägt das Kind schon im Familienkreis aus und ist deshalb routiniert. Jeder Lehrer wird in seinem Urteil sicher milder, wenn er verstehen lernt, dass das Kind nicht absichtlich so ist, sondern selbst wenn es will, sich oft nicht anders verhalten kann. Lehrer können hyperkinetischen Kindern helfen, ihr so schwieriges Leben zu meistern, indem sie ihnen Verständnis zeigen.

Nun kommt der schwierigste Teil dieser Ausführungen:
Kinder mit einem hyperkinetischen Syndrom sind in ihrer Seele sehr verletzlich, sie haben häufig ein beschädigtes Selbstbewusstsein, weil sie auch im Kindergarten oft schon Außenseiter waren. Sie besitzen jedoch eine gut ausgeprägte Fähigkeit, Ablehnung zu spüren, selbst wenn sie noch so gut versteckt wird; das heißt, ein Lehrer, der ein hyperkinetisches Kind nicht mag, muss zunächst in seinem Seelenhaushalt Ordnung schaffen, vielleicht in Gesprächen mit Kollegen versuchen zu verstehen, woher diese Ablehnungsgefühle kommen, bevor er sich in einer Weise dem Kind zuwenden kann, die beiden Erfolgserlebnisse ermöglicht. Sobald sich diese Kinder angenommen fühlen, können sie ihr Störverhalten eher kontrollieren. Außerordentlich motivierend sind für betroffene Kinder Lob und Anerkennung; innerhalb der Klasse sollte das hyperkinetische Kind nicht isoliert am Rande sitzen, weil es dann sicher weniger Zuwendung erhalten wird. Falls in der Sitzordnung die Möglichkeit besteht, das Kind an den Mittelgang zu setzen, kann der Lehrer durch beruhigendes Berühren der Schulter Nähe signalisieren. Das Kind wird eine solche stumme Geste als Aufforderung akzeptieren, sich dem Unterrichtsgeschehen zuzuwenden, ohne dass wegen ständiger Ermahnungen der Unterricht für alle unterbrochen werden muss. Bei den heutigen Klassengrößen sind die Möglichkeiten, dem einzelnen gerecht zu werden, selbstverständlich eingeschränkt, aber wenn man sich speziell eines solchen Kindes annimmt, profitiert davon die ganze Klasse. Sollten zufälligerweise mehrere Kinder mit hyperkinetischem Syndrom in einer Klasse sein, ist es in einer mehrzügigen Schule anzustreben, sie gleichmäßig auf mehrere Klassen zu verteilen, um eine Überforderung der anderen Kinder und des Lehrers zu vermeiden. Wichtig für alle Kinder ist ein eindeutiges Verhalten, die Anweisungen müssen klar sein. Die Strafen, die bei Nichtbeachtung ausgesprochen werden, müssen ebenfalls vorher bekannt sein und sollten immer bei allen gleich sein, damit sich das hyperkinetische Kind nicht auch noch durch schärfere Strafen benachteiligt fühlt.

Diese Empfehlung beinhaltet, dass im Ärger keine übertriebenen Sanktionen erfolgen sollten, die das Verhältnis zwischen beiden zusätzlich belasten. Obwohl diese Kinder ein großes Vergnügen daran haben können, den Lehrer lächerlich zu machen, sollte dies nicht mit gleicher Münze heimgezahlt werden, weil eine Bloßstellung vor der Klasse, möglichst wiederholt, zu großen seelischen Schäden führt. Ein Lehrer braucht viel Humor, dann wird das betroffene Kind eher einlenken!

Je mehr Druck auf ein solches Kind ausgeübt wird, um so mehr wird es versuchen zu beweisen, dass es sich nicht »unterkriegen« lässt und wird das Ausmaß an Ungezogenheit erhöhen: Der Zappelphilipp entwickelt sich zusätzlich zum bösen Friederich.

Aus Gesprächen mit Eltern betroffener Kinder wird immer wieder deutlich, dass Lehrer, die sich neben den Eltern am intensivsten über einen wichtigen Lebensabschnitt mit unseren Kindern beschäftigen, mit dem Erscheinungsbild des hyperkinetischen Syndroms so wenig vertraut sind, dass sie schon beinahe reflexartig die Sonderschule – heute Förderschule für Lernbehinderte genannt – als Ausweg aus dem Dilemma empfehlen und nicht die dringend notwendige Vorstellung bei einem auf dieses Krankheitsbild spezialisierten Arzt. Das Vorurteil, das Verhalten des Zappelphilipps beruhe auf einer falschen Erziehung und sei deshalb allein mit pädagogischen Mitteln behebbar, verbaut den Weg zu einer wirksamen medizinischen Behandlung, die oft eine erstaunlich rasche und durchgreifende Veränderung des Verhaltens bewirkt.

Ganz besonders sollte der Lehrer bei einem hyperkinetischen Kind darauf achten, ob es zusätzlich unter einer Teilleistungsstörung in Form einer Lese- und Rechtschreibstörung oder einer Rechenstörung leidet, und es gegebenenfalls umgehend einer entsprechenden Behandlung zuführen.

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